Analysen

PROTON verlässt die Schweiz

Ausgerechnet Proton, ein Schweizer Vorzeigeunternehmen für Datenschutz, verlagert Infrastruktur. Hintergrund ist die geplante Verschärfung der VÜPF: mehr Überwachung per Verordnung. Wie viel Kontrolle verträgt ein Land, das für Freiheit stehen will?

Vor einer Schweizer Flagge und schneebedeckten Bergen stehen ein schwarzer Koffer mit VPN-Symbol und ein Laptop mit vernetzter Weltkarte. Links ist ein Kuppelgebäude zu sehen, rechts stehen Serverschränke.
Symbolbild erstellt mit KI-Werkzeug

Email- und VPN-Anbieter kehrt der Schweiz den Rücken.

Die Erosion begann nicht erst gestern.

Als die Schweiz ihr Bankgeheimnis aufgab, war das ein historischer Einschnitt. 2009 setzte der damalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück Bern öffentlich unter Druck und sagte sinngemäss:

Man müsse die Kavallerie nicht ausreiten, die Indianer müssten nur wissen, dass es sie gibt. Eine gezielte Drohkulisse – diplomatisch entgleist, politisch wirksam. Die Schweiz knickte ein.

Heute setzt sich diese Entwicklung fort, leiser, technischer, aber nicht weniger gefährlich. Mit der geplanten Verschärfung der VÜPF drohen Vorratsdatenspeicherung und automatisierte Behördenzugriffe. Nicht beschlossen vom Parlament, sondern per Verordnung. Ein schleichender Abbau rechtsstaatlicher Sicherungen.

Dass ausgerechnet Proton, ein Schweizer Vorzeigeunternehmen für Datenschutz, darauf reagiert und Infrastruktur verlagert, ist kein PR-Manöver, sondern ein Alarmsignal. Statt Prinzipien zu opfern, investiert Proton massiv, um seine Nutzer weiterhin zu schützen – gegen politischen Druck und gegen den Trend zur Totalerfassung.

Proton-CEO Andy Yen dazu in der NZZ:

"Wer Gesetzgebung der Polizei überlässt, sollte sich nicht wundern, wenn er eines Tages in einem Polizeistaat aufwacht."

Wenn selbst die Schweiz beginnt, Freiheit gegen Kontrolle einzutauschen, sollten alle näher hinschauen.

Grundrechte verschwinden nicht über Nacht.

Sie werden Schritt für Schritt relativiert.

Und das mehr und mehr und überall im "Wertewesten".

Proton zeigt allerdings, dass Haltung noch möglich ist.

CEO Yen bleibt angesichts der offenen Worte und seinem festen Standpunkt zu wünschen, dass er nicht schon bald ähnlich dreist eingeschüchtert wird, wie zuvor schon Telegram-CEO Pavel Durov.

Bis später.

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