PEGASUS HAT SCHNUPFEN
Bei «Exercise Pegasus» übt Grossbritannien den Umgang mit einer fiktiven Pandemie. Laut Medienberichten trifft das Szenario vor allem Kinder. Geübt werden auch Schulschliessungen und der Umgang mit «Desinformation» – was heisst das für den nächsten Ernstfall?

Wer mit dem Wort "Event 201" noch etwas anfangen kann wird sich freuen, dass in Grossbritannien gerade eine sehr ähnliche Übung nach diesem Muster läuft.
Das ist besonders bemerkenswert, weil dieses Mal in dem fiktiven Szenario vor allem Kinder tödlich betroffen sind. Schauen wir uns das mal näher an, was da läuft...
In Grossbritannien läuft seit diesem Herbst eine nationale Pandemie-Übung mit dem Namen "Exercise Pegasus".
Offiziell handelt es sich um die grösste Pandemie-Simulation, die das Land bisher durchgeführt hat. Ein Stresstest auf oberster Ebene, begleitet von Ministern, Krisenstab in COBR und allen relevanten Behörden.
Das Szenario
Die Regierung beschreibt Pegasus als Übung für eine neue, respiratorische Infektionskrankheit. Medienberichte zum konkreten Ablauf ergänzen: Das angenommene Virus soll vor allem für Kinder tödlich sein und von einer fiktiven südostasiatischen Insel stammen. Schulen wurden im Rahmen der Übung komplett in den Lockdown geschickt – ein Test, wie Behörden und Bevölkerung auf drastische Eingriffe reagieren.
Zeitraum und Struktur
Pegasus läuft im Übungsfenster September bis November 2025.
Drei Kern-Tage bilden die klassischen Pandemie-Phasen ab:
- 18. September: Auftauchen des Virus (Emergence)
- 9. Oktober: Eindämmung (Containment)
- 30. Oktober: Mitigation, also der Umgang mit der Welle
Für 2026 ist eine zusätzliche Phase geplant: Recovery, also Wiederaufbau, Auswertung und strukturelle Schlussfolgerungen. Der umfassende Abschlussbericht soll ebenfalls 2026 erscheinen.
Wer steuert Pegasus?
Federführend sind das Department of Health and Social Care (DHSC) und die UK Health Security Agency (UKHSA). Eine zentrale Rolle spielt ausserdem NHS England. Daneben sind beteiligt:
- alle Ministerien in London
- die Regierungen von Schottland, Wales und Nordirland
- Kommunen und Local Resilience Foras
- Gesundheitswesen, Soziale Dienste und weitere Partner
Weil das Szenario vor allem Kinder betrifft, stehen Schulen, Familien und lokale Behörden besonders im Fokus.
Was wird geübt?
Offiziell nennt die Regierung folgende Kernziele:
- Entscheidungswege für Massnahmen wie Schulschliessungen, Kontaktregeln, Impfstrategien
- Berücksichtigung von sozialer Ungleichheit und besonders verletzlichen Gruppen
- Auswirkungen der Beschlüsse auf Gesundheitssystem, Wirtschaft, Gemeinden und Bevölkerung
- Skalierung von Test-, Labor- und Personal-Kapazitäten
- Koordination zwischen nationaler Ebene, Regionen und lokalen Strukturen
und: der strategische Umgang mit Desinformation.
> Schwerpunkt: Desinformationsbekämpfung
Dieser Punkt ist explizit Teil der Übung. Getestet wird, wie Regierung und Behörden im Krisenfall mit Informationsflut, Gerüchten und widersprüchlichen Signalen umgehen.
Dazu gehört:
- zentrale Krisenkommunikation, abgestimmt zwischen Regierung, UKHSA und NHS
- Monitoring von Falschinformationen, besonders in sozialen Medien
- schnelle, konsistente Verbreitung offizieller Botschaften
- Verhinderung von widersprüchlichen Meldungen zwischen London, Schottland, Wales und Nordirland
- Verzahnung mit dem britischen Emergency Alert System, das Warnungen direkt aufs Handy der Bevölkerung schicken kann
Im Kern übt man also nicht nur die medizinische Reaktion, sondern auch die kontrollierte Steuerung der öffentlichen Wahrnehmung – in einem Szenario, das emotional kaum sensibler sein könnte, weil Kinder im Zentrum stehen.
Wiederaufbau und Auswertung
2026 folgt die strukturierte Recovery-Phase:
Analyse der Schäden, Ableitung von politischen Massnahmen und Anpassung bestehender Notfall- und Pandemiepläne.
Genau dann soll auch die detaillierte Auswertung erscheinen.
Fazit
Exercise Pegasus ist weit mehr als ein internes Planspiel.
Es ist ein vollständiger System-Test: von der Regierung über das Gesundheitssystem bis hin zur Kommunikation mit der Bevölkerung. Und gerade die Desinformations-Komponente zeigt, wohin die Reise geht: Krisenmanagement wird immer stärker mit Informationskontrolle verknüpft.
Und jetzt dürfen wir uns bei alldem vor allem eine Frage stellen:
Haben wir tatsächlich als Gesellschaft so gar nichts dazu gelernt?!
Bis später.
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