Hat Mondelez die lila Marke zerstört?
Die Milka-Tafel schrumpft von 100 auf 90 Gramm, der Preis steigt. Mondelez verweist auf höhere Kosten und setzt nun auf Sparpacks. Ist das eine Antwort auf verärgerte Kunden – oder einfach die nächste Runde desselben Spiels?

Fragwürdige Preiserhöhungen, am Beispiel Schokolade
Wir erleben das immer öfter und an vielen Stellen.
Die Preise werden angehoben, und wenn man das hinterfragt, landet man eigentlich nie bei einer sinnvollen Begründung, die anders lautet als: „Das ist für die Aktionäre.“
Ein spannendes Beispiel hatten wir ja schon in der Weihnachtszeit diskutiert. Die Schokoladen-Goodies und Weihnachtsgebäcke hatten im vergangenen Jahr so dermassen zugelegt, dass sie in den Regalen liegen blieben wie Blei.
Die Süsswarenindustrie hat natürlich sofort daraus gelernt.
Das war Ironie. Denn im Gegensatz zu deren offensichtlichem Irrglauben, dass die Glitzerverpackung als Schokoladen-Osterhase für den Verbraucher etwas vollkommen anderes ist, wundert man sich in der Excel-Tabellen-Kaste der Konzerne aktuell, wieso auch die süssen Osternager wieder wie Blei in den Regalen bleiben.
Schon letztes Jahr hatten wir die hohen Kakaopreise diskutiert, die die Industrie ins Feld geführt hatte, was ja aus zwei Gründen Unsinn ist, denn die waren längst in den Keller gegangen, die Preise nahmen jedoch konsequent die andere Richtung.
Und jetzt lesen wir von Lindt, dass es „langfristig gesicherte Rohstoffkäufe“ seien. Natürlich. Oh, und gestiegene Verpackungskosten. Und die Nüsse sind teurer geworden.
Der Kult-Hase von Lindt mit dem Glöckchen um den Hals kommt bei 100 Gramm immerhin auf stattliche 4,99 Euro. Als Aktionsware dann – gemäss einem Bericht von WELT – wurde er wohl schon für 2,22 Euro gesehen. Die Verpackung ist dabei die gleiche, die Nüsse in beiden Varianten weg. Und der teuer eingekaufte Kakao, von dem wir ja erst neulich gesehen haben, dass er nach und nach aus der „Schokolade“ zu verschwinden gedenkt, müsste eigentlich verbraucht oder verrottet sein.
Der gleiche WELT-Artikel zitiert dann den Handelsprofessor Kortum wie folgt: „Marken können hohe Preise verlangen“.
Und weiter: „Viele bekannte Hersteller hätten in den vergangenen Jahren bei Schokolade, Kaffee oder Kosmetik überproportional die Preise erhöht. Lindt-Schokolade sei inzwischen teurer als hochwertiges Frischfleisch.“ Auch wenn ich erwarte, dass jetzt wieder einige beim Wort Fleisch hängen bleiben und ihre Einstellung in einem Schokoladenbeitrag über Fleisch und Ethik referieren werden, bitte ich den Rest der Leser, konzentriert bei der Sache zu bleiben.
Noch immer in WELT beschreibt dann der Chef des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, Hennerkes:
„Es werde spannend, wie lange Verbraucher die Preiserhöhungen noch mitmachten.“
Mondelez, Inhaber der Marke Milka, hatte zunächst die heilige Marke für eine Tafel von 100 Gramm auf 90 Gramm reduziert und dann den Preis stark erhöht. Deren Argumente sind überraschend wenig anders als oben beschrieben: Kakaopreise, Produktionskosten.
Wenig bekannt oder im Gedächtnis geblieben ist der Umstand, dass die EU-Kommission im Mai 2024 eine Rekordstrafe von 337,5 Millionen Euro gegen Mondelez verhängt hatte, u. a. wegen Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung und wettbewerbswidriger Absprachen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg trifft sich mit Mondelez im April vor dem Landgericht Bremen zur mündlichen Verhandlung, in der festgestellt werden soll, ob die Füllmengenreduzierung von 100 auf 90 Gramm bei gleichzeitiger Preiserhöhung um 48 % eine Irreführung der Verbraucher ist. Denn – wie die Verbraucherzentrale richtig feststellt – man hat nicht das Rechteck in der Grösse verändert, was allen sofort aufgefallen wäre, sondern einfach die Tafel um 1 mm dünner gemacht. Seien wir gespannt, was dabei herauskommt.
Mondelez hat schon letztes Jahr für seine Milka Alpenmilch die „Mogelpackung des Jahres“ gestellt.
Womit wir zur „Lösung“ kommen, die die Excel-Tabellen-Kaste von Mondelez um Boss Jan Kruise sich jetzt erdacht hat:
Man nimmt die fragwürdigen Preiserhöhungen nicht zurück und schon gar nicht stellt man wieder auf 100 Gramm. Nein. Jetzt bündelt man einfach ein paar der 90 Gramm in „Sparpacks“ zusammen und rechnet damit, dass die Verbraucher nicht rechnen können.
Und das ist weder mit Kakaopreisen zu erklären noch mit gestiegenen Verpackungskosten – denn die Umverpackung würde das Problem weiter verschärfen.
Am Ende bleibt die Frage, die Hennerkes an uns alle gestellt hat:
„Wie lange machen wir das noch mit?“
Und das sollten wir uns in diesen Tagen nicht nur bei der Milka fragen...
Weiterführende Links:
"Trotz günstiger Kakaopreise - Preise für Schoko-Osterhasen steigen um bis zu 29 Prozent – Kunden greifen seltener zu"
(WELT)
https://www.welt.de/.../trotz-guenstiger-kakaopreise...
"Kunden kaufen keine Milka mehr: Neue Schokoladen-Tafeln landen jetzt im Regal"
(CHIP)
https://www.chip.de/.../kunden-kaufen-keine-milka-mehr...
Bis später.
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