Glyphosat und die Waschmittel
Carolin Huhn sieht Waschmittel als Quelle für Glyphosat in Gewässern – und die Landwirtschaft steht plötzlich weniger im Fokus. Ich frage mich, ob dabei andere Wege übersehen werden, auf denen der Stoff ins Wasser gelangen kann.

Über die Jahre habe ich eines gelernt. Chemieunternehmen mit einem scheinbar unlösbaren Problem mit einem ihrer Produkte beauftragen manchmal Wissenschaftler, die mit ihren Studien ein bestimmtes Ergebnis erzeugen sollen. Oft ist der Zweck, die allgemeine Diskussion in eine andere Richtung zu lenken, vor allem dann, wenn das Produkt einen enormen Anteil am Umsatz ausmacht. Dann zeigt man auf einen anderen Schuldigen und wäscht die Hände in Unschuld.
Die Arbeit von Carolin Huhn verfolge ich nun schon eine ganze Weile. Ihr These ist, dass das Glyphosat im Wasser nicht durch die Landwirtschaft kommt, sondern von den Waschmitteln.
Ich bin sicher, sie ist sehr überzeugt von ihrer These. Und ihre Untersuchungen werden in der Tagespresse immer wieder kolportiert. Was die Landwirte aufatmen lässt. Denn jetzt ist der Schaden, der durch Glyphosat an Umwelt und Gesundheit entsteht nicht mehr alleine ihr Problem.
Die Diskussion bekommt damit erfolgreich einen anderen Fokus.
Ist es möglich, dass Frau Huhn recht hat? Ja.
Ist es möglich, dass Frau Huhn etwas Elementares übersieht?
Ich fürchte ja.
Kern ihrer These ist, dass Glyphosat auch in Gewässern nachgewiesen wird, die weit entfernt von jeder Landwirtschaft sind.
Also muss es etwas anderes sein, und dann hat sie sich auf Waschmittel eingeschossen. Und versucht alles, um diese These zu belegen.
Seit über 10 Jahren führen wir eine Langzeitstudie durch, in der wir nachweisen, dass 70% - also 7 von 10 Menschen - Glyphosat im Urin chronisch in unterschiedlichen Konzentrationen nachweisen.
Die Quelle hier sind Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln.
Wenn sie nun an die Kläranlagen als Quelle geht ist die Frage zu klären, wieviel von dem dort gefundenen Glyphosat dort landet, weil es von den Menschen ausgeschieden wird. Diese Möglichkeit scheint sie nicht einzubeziehen.
Ausserdem haben wir Glyphosat im Regen nachgewiesen, das bedeutet jede Regen-Wolke hat das Zeug, die Chemikalie überall hin zu verteilen. Auch das muss man untersuchen, welche Mengen auf diesem Weg in den Gewässern landen. Ich habe nicht gesehen, dass sie das tut - oder dass ihr das bewusst ist.
Die nächste Quelle, die wir identifiziert haben, ist der Kraftstoff.
Benzin und Kerosin mit einem "Bio"-Anteil enthält Glyphosat.
Das konnten wir ebenfalls nachweisen. Die Herkunft? Die Landwirtschaft, die diesen "Bio"-Anteil herstellt. Und das vollkommen unreguliert und unkontrolliert. Das bedeutet, dass jedes Fahrzeug und jedes Flugzeug, das Glyphosat, das tatsächlich durch die landwirtschaftliche Ausbringung überhaupt erst in den Natur-Kreislauf gelangt das Mittel in den Städten und die Atmosphäre verteilt. Wird dieser Umstand von Frau Huhn berücksichtigt? Ich denke nicht. Berücksichtigt man, wieviele Fahrzeuge und Flugzeuge täglich unterwegs sind, ist das jedoch ein sehr viel wahrscheinlicher Weg, wie das Glyphosat auch an Stellen gelangt, die sich nicht im direkten Umfeld zu einem Acker befinden.
Bestätigt wird dieser Umstand durch eine Studie des Umweltinstituts München, die ein Jahr lang 100 Filter in ganz Deutschland aufgestellt haben, mit denen sie die Belastung der Luft sowohl auf dem Land als auch in den Städten getestet haben.
Ein einziges Pestizid wurde in allen 100 Filtern gefunden: Glyphosat.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Rückständen des Unkrautvernichters im Körper umfassen eine grosse Bandbreite, weit über das regelmässige Thema Krebs hinaus.
Schon deshalb brauchen wir bei dem Thema sehr viel mehr Sorgfalt in der Betrachtung, als sie Carolin Huhn oder der BR walten lassen.
Weiterführende Links
Original:
https://www.br.de/nachrichten/wissen/neue-analyse-glyphosat-in-gewaessern-stammt-aus
ARCHIV:
Belastungskarte Glyphosat im Humanurin:
Bis später.
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