Frieden in Pakistan?
In Pakistan verhandeln die USA und Iran, diesmal ist auch Vizepräsident Vance vor Ort. Gleichzeitig bringen die USA weiter Truppen und Kriegsgerät in die Region. Und selbst wenn eine Einigung gelingt: Wer sorgt dafür, dass der Krieg nicht wieder aufflammt?

Es werden komplizierte Verhandlungen, die da gerade in Pakistan zwischen den USA und Iran laufen. Und noch ist nicht klar, wie ernst die USA das überhaupt meinen. Positiv: Statt der bisherigen Unterhändler ist dieses Mal auch Vizepräsident Vance vor Ort.
Klar ist, dass die USA Zeit kaufen müssten, selbst wenn sie weitermachen. Die Munition ist alle, die US-Militärbasen in der Golfregion weitgehend zerstört.
Auch klar ist, dass US-Präsident Trump nach wie vor eine Menge Kriegsgerät und Truppen in die Region bringt, die alle auf eine bevorstehende Bodeninvasion ausgelegt sind.
Auch klar ist, dass Trump zusammen mit UKs Keir Starmer und weiteren (angeblich insgesamt 30 Ländern, die von den USA unter starken Druck gesetzt wurden) eine "Koalition der Willigen" beisammen hat, die die Strasse von Hormus gewaltsam öffnen wollen. Militäranalysten, denen ich aufgrund ihrer bisherigen Trefferquote bei ihren Prognosen viel Gewicht beimesse, sind sich aber nach wie vor sicher, dass das ein extrem verlustreiches Unterfangen wird, das sehr wenig langfristige Erfolgsaussichten hat.
Ebenfalls keine besondere Weisheit ist, dass sich beide Seiten aufeinander zubewegen müssen, wenn eine Einigung erzielt werden soll. Tatsächlich hat der Iran momentan die bessere Position, sollte dies aber nicht überstrapazieren, denn absolut gewiss ist, dass Trump zuhause einen Sieg zu verkaufen hat, auch wenn es keiner war. Da ist ein Kopfschütteltrauma vorprogrammiert für die, die den Militäreinsatz so wahrgenommen haben, wie er tatsächlich abgelaufen ist. Für den Frieden und die Bewahrung weiterer Leben ist das aber ein recht geringes Übel.
Einer besonderen Rolle kommt natürlich Israel zu, die den Krieg ja aus eigenem politischen Interesse überhaupt erst vom Zaun gebrochen und die USA mit hineingezogen haben.
Die dahinterliegenden Ziele Israels sind nicht erreicht und der eigentliche Kriegsgrund nicht behoben.
Stattdessen haben sie schwere Treffer abbekommen, die Infrastruktur hat starken Schaden genommen und die Moral in der Bevölkerung hat in weiten Teilen stark gelitten.
Über 28.200 Schadenersatzforderungen wurden an den Kompensationsfonds bisher gestellt, eine Einrichtung, bei der die Israelis für Kriegsschäden Entschädigung verlangen können.
Die ständigen Luftalarme, viele davon in der Nacht, haben nicht nur den Bürgern den Schlaf geraubt, sondern auch einiges an Unterstützung der Regierung gekostet. Berichte von circa einer Million Bürgern, die das Land verlassen haben, scheinen glaubwürdig, und es wären mehr, wenn die Ausreise nicht künstlich erschwert worden wäre. Die Schutzkuppel Iron Dome hat starke Schwächen gezeigt, der Vorrat an Abwehrraketen ist quasi nicht mehr existent.
So gibt es zumindest für den Moment auch für Israel einen Grund, einen Waffenstillstand mitzutragen, die Gefahr eines erneuten Aufflackerns des Konflikts durch Israel bleibt aber bestehen.
Deshalb müssen die USA sicherstellen, dass dies nicht geschieht.
Das ist aber wohl die schwerste Aufgabe überhaupt. Die aktuelle Regierung Israels ist weder für das Einhalten von Waffenruhen positiv aufgefallen, noch ist deren Wirken in der Vergangenheit ein greifbares Beispiel für Vertrauensbildung. Diese Unbekannte, zusammen mit dem weiteren Aufmarsch der USA, lässt ein Verhandlungsergebnis auch dann nur mit einiger Vorsicht in einem positiven Licht erscheinen, wenn uns das Wort Frieden in den Überschriften gezeigt werden wird.
Frieden wäre aber das, was die gebeutelte Region nach all den Jahren dringend bräuchte. Bleiben wir gespannt, was man uns erzählt. Es wäre mehr als schade, wenn später in den Geschichtsbüchern steht, dass Pakistan nur eine Massnahme der USA und Israels war, um sich währenddessen auf einen langen Krieg vorzubereiten. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Gedanke leider nicht.
Bis später.
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