Ein Knopfdruck reicht nicht mehr.
14 Wochen lang waren meine Facebook- und Instagram-Seiten gesperrt, sogar mein privates Profil. Kurz nach Einreichung meiner Klage wurde ich wieder freigeschaltet. Doch nun melden sich Menschen, die mich kaum noch finden. Warum ich trotzdem weiterschreibe.

Eigentlich hatte es sich ja über einen längeren Zeitraum angekündigt.
Aber als es dann tatsächlich so weit war, war es ein kleiner Schock:
Irgendwo auf der Welt saß eine Person und hat einen Knopf gedrückt – und mich damit von einer Sekunde auf die andere in ein digitales Gefängnis gesteckt.
Nicht nur meine Journalistenseite auf Facebook wurde ohne Vorwarnung gesperrt, sondern auch meine ganz private, mit der ich mit Schulfreunden in Kontakt blieb und überhaupt nichts Politisches geschrieben habe. Und meine noch sehr viel weniger genutzte Instagram-Seite. Eigentlich habe ich sogar damit gerechnet, dass mir Meta auch noch WhatsApp sperren wird. Das blieb, wieso auch immer, aus.
Tatsächlich hatte ich in den 14 Wochen, die die Sperre andauerte, auf einmal sehr viel mehr Zeit. Da war Raum für unglaublich viel Ablenkung. Aber für jemand, dem Unrecht so absolut zuwider ist, gibt es nicht genug Ablenkung.
Für jemand, dem Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und die freie Rede so sehr wichtig ist, war dieser Schlag ins Gesicht so inakzeptabel, dass ich mich entschlossen habe, Meta/Facebook zu verklagen. Und auch wenn der Streit noch nicht zu Ende ist: Kurz nachdem die Klage eingereicht wurde, wurde ich auf Facebook wieder freigeschaltet.
Zu Beginn lief das sogar auch sehr gut. Es kamen viele Follower hinzu, über den ganzen Zeitraum, und zum ersten Mal seit 2020, oder vielleicht sogar schon 2019, habe ich mal gespürt, wie es sich wohl anfühlt, wenn man auf so einer Seite nicht dem Shadowban unterliegt.
Aber in den letzten Wochen kamen wieder Meldungen und Privatnachrichten, dass ich nicht mehr so leicht zu finden bin.
Und selbst wenn sicherlich einige meine Facebook-Pinnwand verlassen haben, weil ich einfach weniger geschrieben habe, so glaube ich, so fürchte ich, dass diese Praxis wieder angewendet wird. Die Tech-Konzerne nennen sowas die Bereinigung von Followern, die ja sowieso nicht so oft vorbeischauen.
Ich nenne es einen Eingriff in die Pressefreiheit.
Und ja, ich mache mir Sorgen: um den Zustand von dem Land, in dem ich wohne; um den Zustand der Politik, die dieses Land lenkt. Um die vollständige Abkopplung der politisch Verantwortlichen vom Rest der Bevölkerung - um die nicht mehr wegzuleugnende negative Entwicklung im Bereich der Medien - dem Versagen der sogenannten vierten Säule der Demokratie.
Und nicht zuletzt darüber, dass bei uns fast unwidersprochen wieder die Kriegstrommeln gerührt werden dürfen.
Wir haben 2026, und viele Menschen sagen heute: Corona ist vorbei.
Ich sage eigentlich nicht.
Der Geist von Corona steckt noch in so vielem, schadet noch so vielen, und die Gräben: Wo sind sie denn weniger tief geworden? Wo? Und wo ist jemand tatsächlich zur Verantwortung gezogen worden?
Stattdessen ist diese Basta-Mentalität aus der Corona-Zeit fast schon zementiert: in Behörden, in den Rathäusern, bei den Landratsämtern, in den Gerichten. Und dann so vielen anderen Stellen.
Und anstatt dass wir erkannt hätten, dass es ein fast schon unverzeihlicher Fehler war, eine Personengruppe wie die sogenannten Ungeimpften herauszunehmen und so mies zu behandeln, oder die, die sich aus Solidarität haben impfen lassen und dadurch verletzt wurden, oder die Angehörigen von Menschen, die die Behandlung nicht überlebt haben...
... stattdessen machen wir genau so weiter. Alles, was sich verändert hat, ist, dass man eben mal diese oder mal jene Gruppe der Bevölkerung herausholt und mies behandelt.
Ich glaube es nicht. Ich glaube einfach nicht, dass eine Mehrheit der Bevölkerung so leben will. Und die, die sich jetzt in der trügerischen Sicherheit wiegen, dass sie ja auf der mächtigen Seite sind, dass sie zu denen gehören dürfen, die austeilen: Wartet ab!
So was kann schnell umschwenken. Und auch wenn bei uns nicht religiös „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gilt: Wer garantiert euch, dass das Pendel nicht vollkommen in die andere Richtung ausschlägt? Zeichen dafür sind doch da, oder nicht?
So sehr ich die freie Zeit und die Ablenkungen, die ich in den 14 Wochen manchmal auch genossen habe...
So sehr glaube ich daran, dass aktuell jede kritische Stimme zählt. Vielleicht auch meine.
Und deshalb gibt es diese Website: Damit, wenn irgendwann irgendwer irgendwo mal wieder entscheidet, dass es Zeit wäre, auf einen Knopf zu drücken und jemanden zum Schweigen verdammt, den du höchstwahrscheinlich nicht einmal persönlich kennst, ich hier bin.
Ihr auch?
Bis später.
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