Analysen

5.120 Hitzetote – oder 5.120 statistisch errechnete Tote?

Das RKI meldet für Deutschland rund 5.120 Hitzetote. Hitze kann tödlich sein – aber wurden diese Menschen einzeln gezählt, oder stammt die Zahl aus einem Modell? Gerade bei Todesfällen ist das keine Wortklauberei.

Eine Frau mit breitkrempigem Hut hält die Hand an die Krempe und blickt auf eine Stadt. Im Vordergrund sind ein Thermometer über 40 °C und ein Blatt mit „RKI“ und Diagrammen zu sehen; darüber sind Kurven und Menschenfiguren eingeblendet.
Symbolbild erstellt mit KI-Werkzeug

Das Robert Koch-Institut meldet für Deutschland bis Ende Juni rund 5.120 hitzebedingte Todesfälle.

Natürlich ist jeder einzelne Tote einer zu viel. Und selbstverständlich kann grosse Hitze für ältere, kranke und geschwächte Menschen lebensgefährlich sein. Darüber muss man nicht diskutieren.

Aber gerade weil es um den Tod von Menschen geht, sollte man sehr genau hinschauen, wie solche Zahlen entstehen.

Denn diese 5.120 Menschen wurden nicht als Hitzetote gezählt.

Es gibt keine 5.120 Totenscheine, auf denen als Todesursache Hitze vermerkt wurde. Es handelt sich um eine statistische Schätzung des RKI. Das Institut vergleicht die tatsächlichen Sterbefallzahlen und Temperaturen mit einem mathematischen Modell, das berechnet, wie viele Menschen bei niedrigeren Temperaturen vermutlich gestorben wären. Die errechnete Differenz wird dann der Hitze zugeschrieben.

Das RKI selbst nennt dabei eine erhebliche Unsicherheitsspanne: Die tatsächliche Schätzung liegt zwischen 4.410 und 5.850 Fällen.

Noch einmal: Es geht nicht darum, die Gefahren grosser Hitze kleinzureden. Es geht darum, sauber mit Zahlen umzugehen.

Wenn eine Behörde aus einer statistischen Modellrechnung eine konkrete Zahl von „Hitzetoten“ macht, entsteht in der Öffentlichkeit zwangsläufig der Eindruck, man habe diese 5.120 Todesfälle einzeln festgestellt und eindeutig der Hitze zuordnen können.

Genau das ist aber nicht passiert.

Gerade beim Tod von Menschen wirkt dieser Umgang merkwürdig: Man kennt weder die konkreten Personen noch ihre individuellen Todesursachen, erklärt sie aber rechnerisch zu Hitzetoten.

Eine ehrliche Meldung müsste deshalb lauten:

Das RKI schätzt anhand eines mathematischen Modells, dass die Hitze zu einer zusätzlichen Sterblichkeit in der Grössenordnung von rund 5.120 Menschen beigetragen haben könnte.

Das klingt weniger dramatisch. Es wäre aber erheblich präziser.

Bis später.

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